
Gartenpflege
Rasen neu anlegen oder sanieren? So treffen Sie die richtige Wahl
Nicht jeder fleckige Rasen muss umgegraben werden. Woran Sie erkennen, ob Nachsaat reicht oder eine Neuanlage sinnvoller ist – und wann in Wien gesät wird.
Ein Rasen mit Kahlstellen, Moos oder Klee lässt sich in den meisten Fällen sanieren – entscheidend ist, die Ursache zu beheben, nicht nur nachzusäen. Eine Neuanlage lohnt sich erst, wenn unerwünschte Pflanzen überwiegen, die Fläche stark uneben ist oder der Boden grundlegend verbessert werden muss. In Wien sind Ende August bis Anfang Oktober meist das verlässlichste Zeitfenster für beides.
Zustand lesen: Was Ihr Rasen Ihnen verrät
Bevor Sie zum Vertikutierer greifen, lohnt ein genauer Blick. Viele Pflanzen im Rasen sind sogenannte Zeigerpflanzen: Sie zeigen, was im Boden nicht stimmt. Die Broschüre „Wiesen und Rasen – Ansaat bis zur Wiesenpflege“ von Natur im Garten ordnet die häufigsten Symptome so zu:
- Gänseblümchen, Kleearten, Gundelrebe: Stickstoffmangel
- Weißklee: pH-Wert eher zu hoch – keine weitere Kalkung
- Moos, Ampfer: pH-Wert eher zu niedrig, aber auch Nässe oder Schatten möglich
- Breitwegerich, Löwenzahn: verdichteter Boden
- Quecke: zu viel Stickstoff
- Gräser wachsen in die Höhe statt in die Breite: ungeeignetes, oft billiges Saatgut auf Basis von Futtergräsern
Wichtig: Diese Hinweise sind Indizien, keine Diagnose. Wer sicher gehen will, lässt den pH-Wert messen, bevor Kalk oder Dünger ausgebracht wird.
Entscheidungstabelle: sanieren oder neu anlegen?
| Zustand | Empfehlung |
|---|---|
| Einzelne Kahlstellen, Gräser sonst dicht und vital | Nachsaat: Boden lockern, Regenerationsmischung einarbeiten, andrücken, feucht halten |
| Flächig vermoost | Ursache klären (Nährstoffe, Humus, Nässe, Schatten), dann vertikutieren, Sand einarbeiten, organisch düngen |
| Viel Breitwegerich und Löwenzahn | Aerifizieren, organische Substanz erhöhen (Kompost, Mulchmähen) |
| Staunässe, Algenbeläge | Aerifizieren und mit Sand (Körnung 0/4) absanden |
| Rasen unter Bäumen dünnt jedes Jahr aus | Rasen ist keine Schattenpflanze – Alternativbepflanzung prüfen |
| Unerwünschte Pflanzen überwiegen, Senken, Bauschutt im Boden | Neuanlage mit Bodenvorbereitung |
| Fläche verbrennt jeden Sommer trotz Gießen | Neuanlage als Blumen- oder Kräuterrasen erwägen |
Eine Sanierung ist fast immer günstiger und schneller. Sie stößt aber an Grenzen, wenn der Boden selbst das Problem ist: Ein verdichteter, lehmiger Untergrund lässt sich von oben nur begrenzt verbessern.
So gelingt die Sanierung
Natur im Garten empfiehlt in der Frühjahrskur für den Rasen, höchstens einmal pro Jahr zu vertikutieren – idealerweise nach dem zweiten Schnitt, wenn der Rasen bereits wächst. Vertikutieren verletzt Wurzeln und reißt Gräser teilweise heraus; Rechen oder Lüften kann dagegen öfter erfolgen.
Nach dem Vertikutieren werden Sand oder Kompost (rund 2 l/m²) beziehungsweise eine Sand-Kompost-Mischung (rund 3 l/m²) eingearbeitet. Kahlstellen werden mit einer Regenerationsmischung nachgesät. Beim Mähen gilt: im Frühjahr auf etwa 4 cm, im Hochsommer auf etwa 5 cm, und pro Schnitt nicht mehr als ein Drittel der Halmlänge abnehmen.
Gedüngt wird laut Natur im Garten in drei Durchgängen: März bis Mai, Juli bis August und Ende Oktober. Von Mitte September bis Mitte Oktober sollte nicht gedüngt werden. Organische Dünger geben ihre Nährstoffe dann frei, wenn es warm und feucht ist – also wenn die Gräser sie auch brauchen.
Neuanlage Schritt für Schritt
Wenn eine Neuanlage nötig ist, entscheidet die Vorbereitung über das Ergebnis. Die Arbeitsschritte laut Natur im Garten:
- Boden prüfen: Ton- und Lehmböden verdichten bei Nässe und Tritt stark. Sie werden vor der Ansaat mit Sand verbessert; Sandböden sind dagegen gute Rasenböden.
- Bewuchs abtragen: Für einen krautfreien Zierrasen am besten die obersten 10–15 cm samt Bewuchs entfernen. Sträucher und Baumsämlinge immer ausgraben.
- Lockern: Die Rasentragschicht muss 15 cm tief gelockert sein.
- Bodenverbesserung: Bei zu feinerdereichem Boden reichen meist 30–40 % Sand (Körnung 0/4) in den obersten 15 cm. Reiner Sandboden bekommt bis zu einem Drittel reifen Grünkompost.
- Feinplanum: Erdbrocken über 3 cm absammeln, die Fläche glätten. Senken unbedingt vermeiden – dort sammelt sich Wasser.
- Ansaat: 20–30 g Regelsaatgutmischung (RSM) pro m² für Gebrauchsrasen; die Menge halbieren und kreuzweise ausbringen, danach anwalzen. Rasengräser sind Lichtkeimer und dürfen nicht eingegraben werden.
Gegossen wird lieber seltener, aber durchdringend: 20–30 l/m² pro Durchgang, nachts oder früh am Morgen. So wachsen die Wurzeln in die Tiefe.
Der richtige Zeitpunkt im Wiener Klima
Rasensamen braucht laut Natur im Garten eine stabile Bodentemperatur von 8 °C und ausreichend Feuchtigkeit; zu hohe Tagestemperaturen sind zu vermeiden. Daraus ergeben sich zwei Fenster: Mitte April bis Mitte Juni und Ende August bis Anfang Oktober.
In Wien spricht viel für den Spätsommer. Die Stadt Wien zählt im Schnitt 21,6 Hitzetage pro Jahr im Zeitraum 1991–2022, gegenüber 9,5 in den Jahren 1961–1990. Eine Frühjahrssaat muss deshalb oft schon im ersten Sommer Hitzeperioden überstehen, bevor sie tief eingewurzelt ist. Im September dagegen hilft die gespeicherte Bodenwärme bei der Keimung, die Nächte bringen Feuchtigkeit, und der Rasen hat Herbst und Frühling zum Einwurzeln. Natur im Garten nennt den September neben dem Frühling als idealen Monat, um Rasen neu anzulegen oder braune Stellen auszubessern.
Eine Ausnahme ist der Blumenrasen: DIE UMWELTBERATUNG empfiehlt dafür April bis Mitte Juni, weil bei einer Herbstsaat die Gräser gegenüber den Blumen im Vorteil sind.
Rollrasen oder Ansaat?
| Kriterium | Ansaat | Rollrasen |
|---|---|---|
| Kosten | günstiger | deutlich teurer |
| Sofort grün | nein, mehrere Wochen bis zur geschlossenen Narbe | ja |
| Bodenvorbereitung | vollständig nötig | identisch, Untergrund darf nicht angetrocknet sein |
| Logistik | flexibel | muss umgehend verlegt werden, aufgerollt hält er höchstens einen Tag |
| Hanglagen | Erosionsgefahr bis zur Keimung | ab 20 % Neigung mit mind. 4 Holznägeln pro m² fixieren |
| Mischungswahl | frei, auch Blumen- oder Kräuterrasen | durch das Angebot der Produzenten begrenzt |
| Ökobilanz | Saatgut | Produktion laut Natur im Garten mit hohem Energie- und Pestizideinsatz |
Rollrasen wird fugenlos und versetzt verlegt, die Fugen werden gesandet und die Fläche abgewalzt. Er spart Zeit, aber keine Vorbereitung: Ein schlecht gelockerter oder verdichteter Untergrund zeigt sich auch unter Rollrasen nach wenigen Sommern.
Alternative: weniger Rasen, mehr Wiese
Wer den Rasen vor allem anschaut und wenig bespielt, sollte einen Blumen- oder Kräuterrasen erwägen. Laut Natur im Garten wird ein englischer Rasen mindestens 30-mal pro Saison gemäht, ein Kräuterrasen nur 3- bis 8-mal. DIE UMWELTBERATUNG nennt für Blumenrasen rund 10 g Saatgut pro m²; tiefer wurzelnde Kräuter machen ihn trockenheitsverträglicher. Wichtig: Blumenrasensaatgut nicht mit normaler RSM mischen, sonst verdrängen die Gräser die Kräuter.
Ob Sanierung oder Neuanlage: Benedict Garten übernimmt die laufende Rasenpflege ebenso wie die Neuanlage von Rasenflächen inklusive Bodenvorbereitung. Wie Sie den Rasen über den Sommer bringen, lesen Sie im Ratgeber Bewässerung: Wasser sparen im Garten.
Häufige Fragen
Kann ich über den alten Rasen einfach neue Samen streuen?
Auf lückigen Stellen ja, sofern der Boden darunter locker ist. Verdichtete Stellen vorher auflockern, die Saat leicht einarbeiten, andrücken und bis zur Keimung gleichmäßig feucht halten. Bei flächigem Moos oder Unkraut bringt reines Drübersäen wenig, weil die Ursache bestehen bleibt.
Wie lange darf ich einen neu angesäten Rasen nicht betreten?
Bis die Gräser geschlossen und mehrmals gemäht sind, sollte die Fläche geschont werden. Kritisch ist vor allem die Keimphase: Trocknet der Keimling aus, stirbt er ab. Bei Rollrasen ist die Fläche schneller belastbar, sobald die Soden angewachsen sind.
Warum wird mein Rasen jeden Sommer braun?
In heißen Wiener Sommern gehen Gräser bei Wassermangel in eine Art Trockenruhe. Häufiges, flaches Gießen verschärft das Problem, weil die Wurzeln oben bleiben. Besser sind seltene, durchdringende Wassergaben am frühen Morgen – oder ein Blumen- bzw. Kräuterrasen, der Trockenheit deutlich besser verträgt.
Ist Kalk gegen Moos im Rasen sinnvoll?
Nur wenn eine Messung einen zu niedrigen pH-Wert zeigt. Moos kann auch durch Nährstoffmangel, Nässe oder Schatten entstehen. Bei zu hohem pH-Wert schadet zusätzlicher Kalk sogar, weil die Gräser dann Eisen schlechter aufnehmen.
Quellen
- Wiesen und Rasen – Ansaat bis zur Wiesenpflege – Natur im Garten
- Frühjahrskur für den Rasen – Natur im Garten
- Der Garten im September – Praktische Tipps und kreative Ideen – Natur im Garten
- Blumenrasen – genügsam und robust – DIE UMWELTBERATUNG
- Folgen der Hitze für Wien – Stadt Wien


