
Gartenpflege
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Heckenschnitt?
Österreich kennt kein bundesweites Schnittverbot wie Deutschland. Warum Sie in Wien trotzdem zwischen Oktober und Februar schneiden sollten und was beim Sommerschnitt gilt.
Der beste Zeitpunkt für einen kräftigen Heckenschnitt in Wien liegt zwischen Oktober und Ende Februar, also außerhalb der Vogelbrutzeit. Einen fixen gesetzlichen Schnittzeitraum wie in Deutschland gibt es in Wien nicht, wohl aber ein Verbot, Nester geschützter Vögel zu beschädigen oder zu entfernen. Zwischen März und August schneiden Sie daher am besten gar nicht, oder nur nach sorgfältiger Kontrolle auf Nester.
Was in Wien rechtlich gilt
Viele Ratgeber im Netz beziehen sich auf das deutsche Bundesnaturschutzgesetz, das radikale Heckenschnitte zwischen 1. März und 30. September verbietet. Für Österreich gilt diese Regel nicht. Wie BirdLife Österreich festhält, gibt es hierzulande kein vergleichbares bundesweites Gesetz. Zuständig sind die Naturschutzgesetze der Bundesländer.
Für Wien ist das das Wiener Naturschutzgesetz. Es enthält kein Schnittverbot für einen bestimmten Kalenderzeitraum. Entscheidend ist § 10 Abs. 5: Für geschützte und streng geschützte Vogelarten ist unter anderem verboten:
- jede absichtliche Störung, insbesondere während der Brut- und Aufzuchtszeit (wenn sie sich erheblich auf den Bestand auswirkt),
- jede absichtliche Zerstörung oder Beschädigung von Nestern und Eiern sowie das Entfernen von Nestern.
Die Wiener Umweltschutzabteilung leitet daraus in ihrem Infoblatt zu Schnittmaßnahmen eine klare Empfehlung ab: Baum- und Gebüschentfernungen sowie Baumschnitte sind grundsätzlich außerhalb der Vogelbrutzeit durchzuführen, also zwischen 1. Oktober und 28. Februar. Verstöße gegen die Verbote des § 10 sind mit Verwaltungsstrafe bedroht.
Andere Bundesländer haben strengere Regeln
Wer auch Grund außerhalb Wiens pflegt, sollte die jeweilige Landesregel kennen. BirdLife nennt zwei Beispiele: Im Burgenland sind Pflegemaßnahmen an heimischen Hecken, Buschwerk und Feldgehölzen nur zwischen 1. Oktober und 1. März erlaubt, wobei Vor- und Hausgärten ausgenommen sind. In Vorarlberg ist das Heckenschneiden außerhalb bebauter Gebiete zwischen 15. März und 30. September verboten.
Wann Vögel in Hecken brüten
Die Brutzeit beginnt früher und endet später, als viele annehmen. Laut BirdLife Österreich beginnen Amsel, Schwanzmeise und Buchfink Anfang März mit dem Nestbau, der Grünling je nach Witterung schon Ende Februar. Mönchsgrasmücke, Klappergrasmücke und Stieglitz folgen im April. Kleine Singvögel brauchen vom Nestbau bis zum Ausfliegen mindestens vier, meist etwa fünf Wochen, und die meisten Gartenvögel brüten zwei- bis dreimal pro Saison.
| Zeitraum | Empfehlung |
|---|---|
| Oktober bis November | guter Zeitpunkt für Form- und Verjüngungsschnitt |
| Dezember bis Jänner | möglich an frostfreien, trockenen Tagen |
| Februar | idealer Zeitpunkt vor dem Austrieb, Schnitt bis Monatsende abschließen |
| März bis August | Brutzeit: kein Heckenschnitt, höchstens Korrekturen nach Nestkontrolle |
| September | vorsichtiger Formschnitt möglich, bei Stieglitz oder Grünling im Garten erst ab Anfang September |
Die Umweltberatung rät ebenfalls, von März bis August keine Heckenschnitte durchzuführen. BirdLife empfiehlt für den Schnitt Februar vor dem Austrieb oder den Spätherbst und rät, Tage mit starkem Frost, Regen oder intensiver Sonne zu meiden.
Der Schnitt Ende Juni: Warum er problematisch ist
In vielen Gartenratgebern wird ein Heckenschnitt Ende Juni empfohlen. BirdLife Österreich weist darauf hin, dass dieser Termin mitten in der Brutzeit liegt und der Schnitt daher unterbleiben sollte.
Natur im Garten beschreibt denselben Zielkonflikt: Für eine kompakte Hecke wäre die Jahresmitte ideal, die Rücksicht auf brütende Vögel hat aber Vorrang. Empfohlen wird ein Schnitt im Februar oder erst wieder ab September. Wer im Sommer trotzdem schneidet, sollte mit größter Vorsicht vorgehen und Nester großzügig aussparen.
Wenn ein Schnitt in der Brutzeit unvermeidbar ist
Manchmal muss eine Hecke auch im Frühling oder Sommer zurück, etwa wenn sie einen Gehweg oder die Sicht an einer Ausfahrt versperrt. Die Stadt Wien beschreibt im Infoblatt das Vorgehen:
- Vorher kontrollieren: Bei Gebüschen reicht in der Regel eine Begutachtung mit dem Fernglas. Bei Bäumen ist eine fachgerechte Kontrolle, höchstens drei Tage vor dem Schnitt, vorgesehen.
- Bei besetzten Nestern stoppen: Wird ein besetztes Nest festgestellt, ist unverzüglich die Naturschutzbehörde (Stadt Wien – Umweltschutz, MA 22) zu kontaktieren.
- Auch Bodenbrüter bedenken: Auf selten gepflegten Flächen können in höherem Gras und Kraut Vögel am Boden brüten.
Kontrollieren Sie die Hecke Abschnitt für Abschnitt, bevor Sie mit der Schere arbeiten. Fliegt ein Vogel immer wieder an dieselbe Stelle, ist dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Nest.
So schneiden Sie eine Schnitthecke richtig
Neben dem Zeitpunkt entscheidet die Form, ob eine Hecke dicht bleibt. Natur im Garten empfiehlt, die Hecke unten breiter zu halten als oben, damit die unteren Partien genug Licht bekommen und nicht verkahlen. Als Standard nennt Natur im Garten etwa einen Meter Heckenbreite und rund 75 cm Abstand zur Grundgrenze, damit Pflegearbeiten mit Leiter möglich bleiben.
Weitere Punkte für die Praxis:
- Frühlingsblüher wie Forsythie werden einmal direkt nach der Blüte geschnitten. Da die Brutzeit vielerorts schon im März beginnt, gilt auch hier: vorher auf Nester prüfen.
- Beerentragende Sträucher schneidet man laut Umweltberatung erst, wenn die Früchte abgeerntet sind. Die Beeren sind wichtige Winternahrung für Vögel.
- Starker Rückschnitt und Verjüngung alter Hecken gehören in den Zeitraum Oktober bis Februar, wenn keine Vögel brüten.
- Größere Bäume in oder hinter der Hecke unterliegen ab 40 cm Stammumfang in einem Meter Höhe dem Wiener Baumschutzgesetz. Für eine Entfernung brauchen Sie dann eine Bewilligung.
Hecken an der Grundstücksgrenze
Wächst die Nachbarhecke über den Zaun, dürfen Sie laut § 422 ABGB überhängende Äste über Ihrem Grundstück abschneiden. Sie müssen dabei fachgerecht vorgehen und die Pflanze möglichst schonen. Die Kosten tragen grundsätzlich Sie selbst; ist durch die Äste ein Schaden entstanden oder droht er offenbar, muss der Eigentümer der Hecke die Hälfte ersetzen. Schutzvorschriften wie das Verbot, Nester zu entfernen, bleiben davon unberührt. Auch Grenzschnitte legen Sie daher am besten in den Herbst oder Spätwinter.
Wenn Sie den Schnitt lieber abgeben: Benedict Garten übernimmt den Heckenschnitt im Rahmen der Gartenpflege in Wien und plant ihn außerhalb der Brutzeit ein. Welche Arbeiten im Frühling anstehen, lesen Sie im Ratgeber Gartenpflege im Frühling.
Häufige Fragen
Ist Heckenschneiden in Wien von März bis September verboten?
Ein fixes Schnittverbot für diesen Zeitraum, wie es das deutsche Bundesnaturschutzgesetz vorsieht, gibt es in Österreich nicht bundesweit, und das Wiener Naturschutzgesetz enthält keines. Verboten ist aber, Nester geschützter Vögel absichtlich zu zerstören, zu beschädigen oder zu entfernen. Die Stadt Wien empfiehlt daher, Gehölzschnitte grundsätzlich zwischen 1. Oktober und 28. Februar durchzuführen.
Was mache ich, wenn ich beim Schneiden ein Nest entdecke?
Hören Sie im Bereich des Nests sofort auf zu schneiden und lassen Sie es unberührt. Laut Stadt Wien ist bei besetzten Vogelnestern die Naturschutzbehörde (Wiener Umweltschutzabteilung, MA 22) zu kontaktieren, um das weitere Vorgehen abzuklären. Den restlichen Schnitt verschieben Sie am besten auf den Herbst.
Darf ich die Äste der Nachbarhecke selbst abschneiden?
Nach § 422 ABGB dürfen Sie überhängende Äste über Ihrem Grundstück abschneiden, müssen dabei aber fachgerecht vorgehen und die Pflanze möglichst schonen. Die Kosten tragen grundsätzlich Sie selbst, bei einem drohenden oder entstandenen Schaden muss der Nachbar die Hälfte ersetzen. Naturschutzrechtliche Vorgaben wie der Nestschutz gelten dabei ebenso.
Ist der Herbst oder der Februar besser für den Heckenschnitt?
Beide Zeitpunkte liegen außerhalb der Brutzeit. BirdLife Österreich empfiehlt den Februar vor dem Austrieb oder den Spätherbst im Oktober und November. Wichtiger als der genaue Monat ist das Wetter: Schneiden Sie nicht bei starkem Frost, Regen oder intensiver Sonne, und schließen Sie den Schnitt bis Ende Februar ab.
Quellen
- Wiener Naturschutzgesetz – geltende Fassung – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)
- Schutzmaßnahmen für Vögel und Fledermäuse bei Baumfällungen und Schnittmaßnahmen – Stadt Wien – Umweltschutz (MA 22)
- Hecken als sichere „Kinderstuben“ – BirdLife Österreich
- Ein Garten für Vögel – DIE UMWELTBERATUNG
- Schnitthecken-Vierteiler – Teil 1 – Natur im Garten
- Baumschutz in Wien – Stadt Wien
- § 422 ABGB – Überhängende Äste und Wurzeln – Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)


